Auf den Spuren der Diakonie

 

 Der Diakonieverin im Wandel der Zeit

Vorgeschichte

Die Geschichte der Weidenberger Gemeindekrankenpflege war vor 1926 eng verbunden mit dem kleinen Krankenhaus, das es in Weidenberg in der Wolfskehle gegeben hat. Als es aufgelöst wurde, um in dem Gebäude Notwohnungen einzurichten, musste die Gemeindekrankenpflege neu organisiert werden.    

Blick auf das ehemalige Krankenhaus (graues Dach) in der Wolfskehle.

Die Kirchengemeinde sowie der Ortsfürsorgeausschuss haben sich bemüht, wieder zu einer Gemeindeschwester zu kommen, jedoch jahrelang vergeblich. Es konnte keine Schwester gefunden bzw. von Neuendettelsau freigestellt werden. Außerdem stand keine geeignete Wohnung zur Verfügung und die Kosten konnten nicht aufgebracht werden.

Allerdings war seit 1925 eine angestellte Schwester der Münzschule Bayreuth von der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Weidenberg tätig. Sie wurde für die Seelenpflege und auch Krankenpflege für eine „Stunde“ (so lang es eben dauert) in der Woche kostenlos entsandt.

 Vereinsgründung

Im Jahr 1934 entschloss sich der damalige 1. Pfarrer Theodor Hoffmann, die Gemeindekrankenpflege auf Vereinsbasis neu zu ordnen. Die Schwester sollte also nicht mehr aus Bayreuth entsandt, sondern in Weidenberg angestellt werden. Anstellungsträger sollte ein Diakonieverein sein.

Gleichzeitig bemühte sich Pfarrer Hoffmann, die bisherige Gemeinschaftsschwester Margaretha Zagel für diese Stelle zu gewinnen. Das Gemeinschaft-Diakonissen-Mutterhaus Hensoltshöhe war grundsätzlich damit einverstanden.

In Weidenberg gab es einige Widerstände – etwa nach dem Motto: „Wir brauchen keine Betschwester, sondern eine Krankenschwester.“ Von manchem wurde die Notwendigkeit einer Krankenpflegestation sogar grundsätzlich angezweifelt.

Dennoch wurde im September 1936 der Krankenpflegeverein von 174 Gemeindemitgliedern gegründet. Dies kann auch als Geburtsstunde des Diakonievereins Weidenberg betrachtet werden.

Bis zum Jahr 1952 sind keine Aufzeichnungen zur Gemeindekrankenpflege bekannt. Aus einem Schreiben von 1952 geht hervor, dass die Hensoltshöhe bis zum Jahr 1948 eine Diakonissenstation in Weidenberg betrieben hat. Diese wurde wegen Rückgang des Weidenberger Gemeinschaftskreises aufgehoben.

 Schwester Emma

Der 1. Pfarrer Hans Förster hat sich ab Januar 1952 um die wirtschaftliche und finanzielle Sicherung einer Gemeindeschwesternstation bemüht. Der Weg war lang und durch viele Absagen gekennzeichnet. Schließlich kam im Dezember 1952 ganz unerwartet das Angebot von der Hensoltshöhe, Schwester Emma Wiedemann zum 02. Januar 1953 nach Weidenberg zu entsenden. Das war der Beginn der Ära Schwester Emma, die 26 Jahre, bis zum Herbst 1979 dauern sollte. Darüber berichtete eine Bayreuther Zeitung:

 Krankenpflegestation
für Weidenberg
Pflege für alle

 Das Evang.-Luth. Pfarramt gibt bekannt, daß am 2. Januar 1953 eine Krankenpflegestation, die von einer Krankenpflegeschwester geführt wird, eröffnet wird. Die Schwester wird für Mitglieder des Diakonievereins die Krankenpflege unentgeltlich vornehmen. Darüberhinaus steht sie auf Verlangen auch allen Personen von Weidenberg zur Verfügung ohne Rücksicht auf ihre Zugehörigkeit zu einer Konfession gegen angemessenes Entgelt. Die Station befindet sich in Weidenberg, Unterer Markt, Haus-Nr. 184, bei Hübsch. Bei Pflegefällen wolle man sich unmittelbar nach dort wenden.

 
Die Diakoniestation mit Schwester Emma, Unterer Markt 184, hat heute die Anschrift "An der Steinach 6", siehe Foto.

Im Jahr 1973 wurde das 20-jährige Dienstjubiläum von Schwester Emma gefeiert. Zu den Gratulanten gehörten der Evang.-Luth. Pfarrer Gerhard Rönsch und der Röm.-Kath. Pfarrer Theodor Ernstberger.

Von links nach rechts: Pfr. Ernstberger, Schwester Emma, Pfr. Rönsch

 

Schwester Emma und auch Pfarrer Rönsch gingen 1979 in den wohlverdienten Ruhestand. Für Schwester Emma konnte keine Nachfolgerin gefunden werden, sodass eine Neuorientierung notwendig wurde.

 

Der Neubeginn 1980

Pfarrer Michael Schadeberg, der 1980 die 1. Pfarrstelle Weidenberg übernahm, war maßgeblich an der Umsetzung der Neuorientierung beteiligt.

Zunächst wurde die Satzung den neuen Bedürfnissen angepasst und zwei Schwestern, Elisabeth Mayer und Heide Timpl, eingestellt. Dadurch wurde es möglich, auch das Weidenberger Umland zu versorgen.

Von links nach rechts: Pfr. Schadeberg, Elisabeth Mayer, Heide Timpl

Allerdings musste vorher vieles erst aufgebaut werden, angefangen von den Räumlichkeiten bis zur Ausstattung mit Hilfsmitteln und Fahrzeugen. Es war erforderlich, die Bürger und die kommunalen Gremien über die Möglichkeiten und Grenzen einer Gemeindekrankenpflegestation in Kenntnis zu setzen.

Die Zahl der Patienten und damit auch der Mitarbeiterinnen wuchs sukzessive, entsprechend auch der Raumbedarf und die Zahl der Fahrzeuge. 1981 konnten die Räumlichkeiten am Rathausplatz 2
(heute Nr. 7 siehe Foto) bezogen werden.

Am 4. Oktober 1986 wurde gefeiert: 50 Jahre Diakonieverein Weidenberg

Von links nach rechts: Christa Will, Sabine Dressendörfer, Pfr. Schadeberg, Elisabeth Mayer, Heide Timpl

Doch waren diese schnell zu klein, sodass es 1987 zum Kauf des Bauernfeind-Hauses am Gurtstein 3 gekommen ist. Dank der Unterstützung durch den Markt Weidenberg konnte das Haus im Rahmen der Städtebauförderung saniert und Pfingsten 1990 bezogen werden.
(siehe Zeichnung von H. Rabenstein).

 

Die Diakoniestation am Gurtstein 3 im Jahr 2016.

 

 Ein persönliches Wort

Nach diesen historischen Betrachtungen möchte ich die Gelegenheit nutzen, meinen persönlichen Zugang zum Diakonieverein Weidenberg zu schildern.

Es war 1987 als meine Großmutter ins Krankenhaus ging, weil ihr immer schwindelig wurde. Die Ärzte vermuteten mehrere kleine Schlaganfälle und wollten dies durch eine Computertomographie nachweisen. Leider hat diese Untersuchung ihr eher geschadet als genutzt, denn sie war danach etwas verwirrt.

Ich wusste, dass sie Angst davor hatte, allein in einem Krankenhaus oder in einem Pflegeheim zu sterben. Deshalb habe ich in Regensburg alles stehen und liegen gelassen (ich hatte dort eine befristete Stelle) und meine Oma nach Hause geholt. Das war gewagt, denn ich wusste weder, wie lange sie noch zu leben hatte, noch wie ich die Pflege organisieren sollte.

In dieser Situation habe ich die Pflegequalität von Schwester Elisabeth Mayer kennen und schätzen gelernt. Sie hat in aller Ruhe alles Pflegerische veranlasst und die notwendigen Verordnungen vom Hausarzt eingeholt. Sie war mir ein wichtiger Rückhalt bei der Sterbebegleitung. Als meine Oma dann nach 10 Tagen verstarb, war sie einfach da, hat auf ihre Würde nach dem Tod geachtet und mir den Rücken für die Erledigung der Formalitäten frei gehalten.

Aufgrund dieser positiven Erfahrung habe ich mich 1988 in den Vorstand des Diakonievereins wählen lassen.

Diese ehrenamtliche Mitarbeit, zunächst als Beisitzer, dann als 2. Vorsitzender und jetzt als Schriftführer, hat mich gelehrt, dass die zunehmende Professionalisierung nicht unbedingt zum Wohl des Patienten stattfindet.

 Die Einführung der Pflegeversicherung 1995

Mit der Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 war zwar die Hoffnung verbunden, dass die ambulante Pflege einen höheren Stellenwert erreicht, doch der Preis dafür ist eine hohe Anforderung an die Dokumentation, die zum Nulltarif – besser: zu Lasten der Zeit für den Patienten – erfüllt werden soll.

Ich frage mich oft, ob unter den heutigen Voraussetzungen das Beispiel meiner Oma wiederholt werden könnte: Ohne Patientenverfügung, ohne Pflegevertrag, ohne Einstufung durch den MDK…?

Andererseits denke ich mir: Solange der Verein noch zahlende Mitglieder und Spenden aus Benefizveranstaltungen und Kranzablösen hat und solange die politische Gemeinde hinter dem Diakonieverein steht, gibt es auch einen Spielraum, um mehr zu tun, als durch den Pflegevertrag vorgesehen ist.

Dazu gehört ein offenes Ohr zu haben für die Sorgen und Nöte der Patienten und der Angehörigen, Zeit zu haben, wenn ein Gespräch wichtig ist. Das stellt einen hohen Anspruch an die Qualifikation und das Einfühlungsvermögen der Schwestern, denen an dieser Stelle einmal gedankt werden soll.

 Rudolf Siebert

 

Quelle: Jahresbericht zur Hauptversammlung des Vereins für evangelischeGemeindediakonie Weidenberg e.V. am 09.Oktober1984 /
Fotos: Otto Pilz, Christian Lauterbach, Erika Gstaiger, Archiv